Curriculum Vitae

 

 

Alfred Mechtersheimer ist Diplom-Politologe und Dr. rer. pol., Oberstleutnant a.D., Politikwissenschaftler und Friedensforscher. Von 1987 bis 1990 war er Mitglied des Deutschen Bundestages.

 

 

Mechtersheimer wurde am 13. August 1939 in Neustadt an der Weinstraße geboren und verbrachte seine Jugend im Schatten des Hambacher Schlosses, das 1832 eine der Gründungsstätten der deutschen Demokratie war. Er ist römisch-katholisch und seit 1966 verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkelkinder. Sein Vater ist 1941 in Rußland gefallen.

Er engagierte sich früh in der Jungen Union und in der CDU und war Kreisvor-sitzender der Jungen Union in Neustadt an der Weinstraße als Helmut Kohl Vorsitzender der Jungen Union der Pfalz war. 1959 trat er als Offizieranwärter in die Bundeswehr ein. Es folgten Verwendungen in der Offizierausbildung und in einem Jagdgeschwader der Luftwaffe sowie bei der Psychologischen Verteidigung des Heeres. Während seiner Tätigkeit an der Lehrgruppe für Psychologische Verteidigung in Alfter bei Bonn begann er an der dortigen Universität mit dem Studium der Politikwissenschaft bei den Professoren Karl Dietrich Bracher, Hans-Adolf Jacobsen und Hans-Helmuth Knütter.

Nach sechs Jahren bei der Bundeswehr setzte er sein Studium am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin fort. Während viele Kommilitonen den Straßenkampf übten, intensivierte er die Studien nicht nur der Politikwissenschaft, sondern auch der Volkswirtschaft, Geschichte und der Rechtswissenschaften u. a. bei Professor Roman Herzog. Die Diplomarbeit verfaßte er 1970 zum Thema „Der militärisch-industrielle Komplex in den USA und in Deutschland“. Mechtersheimer war Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Bundesverteidigungs- ministeriums.

Am 1. Juli 1970 kehrte er als Hauptmann zur Bundeswehr zurück und war zunächst an der Offizierschule der Luftwaffe in Neubiberg bei München u. a. als Lehrstabsoffizier für Wehrgeschichte und als Presseoffizier tätig. Als dort die Hochschule der Bundeswehr aufgebaut wurde, wurde er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft tätig. In dieser Zeit promovierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Professor Kurt Sontheimer. Er verfaßte die Dissertation „MRCA Tornado. Geschichte und Funktion des größten westeuropäischen Rüstungsprogramms“ (erschienen 1977 im Osang Verlag, erhältlich bei amazon.de).

Am 31. März 1979 verließ er als Oberstleutnant auf eigenen Antrag die Bundeswehr, um mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an dem von Carl Friedrich von Weizsäcker geleiteten „Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt“ in Starnberg zu arbeiten. Dort erwarb er sich, besonders von Horst Afheldt, theoretische Kenntnisse, die er in die Friedensbewegung einbrachte. Von 1982 bis 1990 leitete er das zusammen mit Max-Planck-Mitarbeitern gegründete „Forschungsinstitut für Friedenspolitik“, das sich schnell zu einer Denkfabrik für die Friedensbewegung entwickelte und von Spenden aus der Bevölkerung finanziert wurde.

Wegen seines friedenspolitischen Engagements wurde Mechtersheimer 1981 aus der CSU ausgeschlossen, was großes öffentliches Interesse auslöste und die Friedensbewegung auch in konservativen Teilen der Bevölkerung stärkte.

Mechtersheimer war bei allen großen Friedens-Manifestationen der 80er Jahre aktiv beteiligt. So sprach er auf der historischen Großkundgebung im Bonner Hofgarten am 10. Oktober 1981, war bei den Blockaden in Mutlangen und den Menschenketten beteiligt, organisierte Schriftsteller-Treffen vor Atomwaffendepots und vertrat die Position der Friedensbewegung in zahlreichen Veröffentlichungen sowie im Fernsehen und Rundfunk. In dieser Zeit entstand, teilweise gemeinsam mit Otto Schily, der Kontakt zum libyschen Revolutionsführer Gaddafi, der die weltweite Ausdehnung der europäischen Friedensbewegung begünstigte und den oft kritisierten sowjetischen Einfluß auf die Bewegung relativierte. Ein Motiv für die Zusammenarbeit mit Libyen war die Erwartung, daß dadurch auch dessen Einstellung zu Krieg und Gewalt positiv beeinflußt werden würde, was sich zur Verwunderung von Kritikern in der Zwischenzeit bestätigt hat.

Der Landesverband der Grünen in Baden-Württemberg, der der linksextremen Unterwanderung der neuen Partei widerstanden hat, setzte Alfred Mechtersheimer für die Bundestagswahl 1987 auf den ersten Männer-Platz der Landesliste, wodurch er bis 1990 dem Bundestag angehörte. Parteimitglied wurde er nicht, war aber vollwertiges Mitglied der Fraktion der Grünen. Er wurde deren Obmann im Verteidigungsausschuß und gehörte mehreren internationalen parlamentarischen Gremien, wie der Nordatlantischen Versammlung, an.

Weil mit dem Ende des Ost-West-Konflikts die bisherige Friedensarbeit obsolet geworden war, konzentrierte sich der Friedensforscher mit dem „Friedenskomitee 2000“ auf den inneren Frieden. Die blutigen Konflikte in Osteuropa und auf dem Balkan nach dem Zerfall der Ost-West-Ordnung in Europa werden als Bestätigung des auf Immanuel Kant gründenden Friedensmodells verstanden, das statt des Friedensdiktats einer Weltregierung eine föderative Staaten-Ordnung bevorzugt. Das Friedenskomitee befürwortet den interkulturellen Austausch, lehnt jedoch eine multikulturelle Gesellschaft als Gefährdung des inneren Friedens ab. Diese Grundposition des „National-Pazifismus“ steht dem herrschenden Zeitgeist entgegen und hat zu ungerechtfertigten Diffamierungen geführt, die in jüngster Zeit allerdings nachgelassen haben.

Aus dem Friedenskomitee ist auch die „Deutschland-Bewegung“ entstanden, die über die Friedensfrage hinaus Multiplikatoren bundesweit zusammenfaßt und zu größerem staatsbürgerlichem Engagement motiviert. Mechtersheimer ist auch Vorsitzender von „Unser Land – wissenschaftliche Stiftung für Deutschland e.V.“  Diese gemeinnützige Einrichtung beschäftigt sich u. a. mit demokratietheoretischen Fragen, der Deutschen Sprache und wirtschaftspolitischen Problemen. So sind das „Handbuch Deutsche Wirtschaft“ und Beiträge über die „Heuschrecken“ erschienen.